Start Neuigkeiten 56 Jahre alte Tribüne wurde runderneuert

56 Jahre alte Tribüne wurde runderneuert

Am Ende kamen satte 750 Arbeitsstunden zusammen, in denen die zahlreichen Helfer des SV Fischingen ihrem „Schmuckstück“ Tribüne neuen Glanz verpassten. Dass das 56 Jahre alte Bauwerk mittlerweile wieder von Grund auf renoviert ist, haben sie vor allem den drei Fischinger Realschülern Rico Neidinger, Florian Munz und Niklas Kipp zu verdanken. Das Trio hatte die Idee dieses Werk im „sozialen Projekt“ zu verwirklichen.

Ganz sicher hätte auch Fischingens im Jahre 1991 verstorbener Ehrenvorsitzender Josef Seigel seine Freude daran gehabt zu sehen, wie hübsch „seine“ Tribüne wieder geworden ist. Seigel war von 1947 bis 1963 Vorsitzender beim SV. Und wer ihn kannte, der weiß, dass seine Verdienste um den 1921 gegründeten Verein unumstritten sind. Allerdings war Seigel kein ganz bequemer Zeitgenosse. Mit fast schon diktatorisch anmutenden Zügen regierte er in seiner 16-jährigen Amtszeit den Verein. Ganz nach dem Motto: „Getan wird, was ich sage.“

 

So war's auch im Jahr 1954, als der SV Fischingen sich anschickte, als erster Verein weit und breit eine Tribüne zu bauen. In einer Sitzung am 8. Mai 1954, so geht aus der Vereinschronik hervor, hat der Vereinsausschuss über den Bau eines Geräteschuppens mit Tribüne beraten. Nach teilweise kontroverser Diskussion wurde über das mit 2500 Mark (heute gut 12 000 Euro) veranschlagte Bauwerk abgestimmt. Mit sieben zu drei Stimmen votierte der Ausschuss für den Bau. Jenes Abstimmungsergebnis war für Josef Seigel aber gleichbedeutend mit einer Niederlage. „Für so ein Projekt erwarte ich hundertprozentige Zustimmung“, kritisierte der resolute Vereinschef die Nein-Sager und trat von seinem Amt zurück. Eine Woche später wurde eine außerordentliche Versammlung einberufen. Josef Seigel stellte sein Projekt nochmal vor und ließ erneut abstimmen: Das neue Ergebnis fiel mit zehn zu null ganz im Sinne Seigels aus. Der erklärte daraufhin den Rücktritt vom Rücktritt, um den Verein fortan weiter in der ihm eigenen Art zu „regieren“.

Die Baumaßnahmen gingen zügig voran, denn bereits vier Wochen nach der außerordentlichen Versammlung, am 13. Juni 1954, wurde die neue Tribüne eingeweiht. Ein Schmuckstück war‘s, das auch weit über die Ortsgrenzen Fischingens hinaus für Aufsehen und Schlagzeilen sorgte. Selbst die „Bildzeitung“ ließ es sich nicht nehmen, über die „kleinste Tribüne Süddeutschlands“ ein paar Zeilen samt Bild zu veröffentlichen.

Zur Einweihung wurde ein Turnier mit der SG Empfingen, dem SV Marschalkenzimmern und dem VfR Schwenningen im Rahmen eines großen Sportfestes veranstaltet. Als Eintrittspreis wurden 50 Pfennig für Stehplätze veranschlagt. Wer es sich auf der neuen Tribüne gemütlich machen wollte, musste 70 Pfennig berappen.

Vergangene Woche wurde diese Tribüne nun grundlegend restauriert – und es wurde fast doppelt so viel Geld in die Renovation gesteckt, wie sie einst neu gekostet hat. Daran sieht man schon, dass die eigentliche Idee Rico Neidingers, „halt geschwind a bissle was zu streichen“ im Laufe der Planungsphase über den Haufen geworfen wurde. Wie es bei einer „Altbausanierung“ halt so üblich ist, kam das Eine zum Anderen, wurden immer wieder neue „Baustellen“ aufgemacht. Schnell war dem SV Fischingen wie auch den drei Realschülern klar, dass man da ein richtig großes Werk anpackte, das nicht nur so geschwind im Vorbeigehen zu stemmen ist. Neue Seitenwände inklusive neuer Verglasung wurden gebaut, neue Tribünenstufen angebracht und darüber hinaus Unmengen an (Vereins-) Farben schwarz und rot vor grauem Hintergrund verstrichen.

30 Stunden hätten die drei aus Fischingen stammenden Sulzer Realschüler Schüler eigentlich am Projekt arbeiten sollen. „Aber die hatten wir am Mittwoch bereits beisammen.“ Doch sie kamen auch am nächsten Tag wieder. Und am übernächsten, um ihr angefangenes Werk voranzutreiben. Und das, obwohl alles andere als ideale äußere Umstände herrschten. Kaltes Aprilwetter war, und an einem Tag musste sogar extra eine Plane gespannt werden, um darunter bei heftigen Regenfällen halbwegs trockene Arbeitsbedingungen zu schaffen. Trotzdem hielten alle durch und konnten die Arbeiten unterstützt von den Helfern des SV wie geplant am Wochenende beenden.

Fürs leibliche Wohl war beim SVF natürlich wie gewohnt gesorgt. „Bei uns arbeitet man zwar nur um den Lohn Gottes. Aber verhungert oder verdurstet ist beim SV Fischingen auch noch niemand“, sagte Vereinsmetzger Egon Rebmann. Sprach‘s und ging in die Küche, um Schweinebraten und Spätzle für die eifrigen Schaffer herzurichten. Auch beim Helferfest am Samstag kam auf kulinarischer Ebene keiner zu kurz. Vereinschef Michael Breisinger freute sich bei der kleinen Feierstunde („aus der alten Dame ist wieder ein junges Mädle geworden“) riesig über das Geleistete. Schulterklopfer für Rico Neidinger, Florian Munz und Niklas Kipp waren ebenso selbstverständlich, wie der Dank an die zahlreichen Geschäftsleute, die das Projekt mit ihren Spenden oder aber verbilligter Materialbereitstellung unterstützt haben. Ein ganz dickes Lob ging auch an die „Großfamilie“ Neidinger. Opa und Ex-Schulleiter Günter Neidinger war ebenso die ganze Woche bei den Arbeiten am Werk, wie Ricos Vater Wolfgang und Mama Birgit Neidinger. Letztere hat in akribischer Kleinarbeit ihrer künstlerische Ader freien Lauf gelassen, und das mittlerweile in die Tribüne integrierte SF-Wappen hergestellt.

Aktualisiert (Donnerstag, den 11. November 2010 um 09:14 Uhr)

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